Interview: Analyse zum Saisonende

Das abrupte Saisonende hat die Memminger Indians hart getroffen. Wenige Tage vor dem Highlight der Saison wurde der Spielbetrieb eingestellt. Über die Folgen, vor allem in finanzieller Hinsicht, gibt Vorstandsmitglied Sven Müller Auskunft.


memmingen-indians.de: Hallo Sven, hast du das kurzfristige Saisonende schon verdaut?

Sven Müller: Nein, ich bin immer noch tief enttäuscht und habe es glaube immer noch nicht richtig realisiert. Ein solches Ende nach dieser wirtschaftlich und sportlich sehr guten Saison – das hat einfach niemand verdient. Aber es ist aufgrund der aktuellen Entwicklung tatsächlich alternativlos.

Wie hat die Mannschaft darauf reagiert?

Müller: Natürlich war die Enttäuschung und der Schock groß, als ich in der Kabine das Saisonaus verkündet habe. Man muss sich das vorstellend: Unser Team ging über 50 Spiele immer ans Limit und darüber hinaus. Spieler haben mit Verletzungen gespielt, zahlreichen langfristige Verletzungen kompensiert und bis zum Ende immer gekämpft, um für die Playoffs eine gute Ausgangssituation zu haben. Als wir das geschafft haben wurden die Playoffs abgesagt. Das tut schon weh.

Du hast eingangs erwähnt, dass es auch wirtschaftlich eine gute Saison war?

Müller: Durch den sportlichen Erfolg und den daraus resultierenden guten Zuschauerzahlen haben wir mehr Geld eingenommen, als ursprünglich kalkuliert. Nachdem wir in den letzten beiden Jahren mit einem Minus abgeschlossen hatten, wurden bereits vor der Saison weitere Einsparungen vorgenommen. Dadurch konnten wir im Laufe der Saison einen großen Teil der alten Schulden abbauen, was uns jetzt entlastet. Ansonsten würden wir nun von noch größeren Problemen stehen.

Kannst du diese Probleme näher erläutern?

Müller: Von heute auf morgen haben wir, bedingt durch das völlig überraschende Saisonende, keinerlei Einnahmen mehr. Hierzu muss man erklären, dass während bzw. zum Ende der Saison keine Sponsorenzahlungen mehr fällig sind. Ab einem gewissen Zeitraum leben wir als Verein einzig und allein von den Zuschauereinnahmen der ersten Mannschaft. Sämtliche Verbindlichkeiten, wie Löhne, Versicherungen, Mieten, Leasing, Steuern, usw. liefen bzw. laufen aber weiter. Diese können wir im Moment einfach nicht bedienen und das ist ein großes Problem.

Rücklagen gibt es keine? Wie sah es mit der Kalkulation der Saison aus?

Müller: Es gibt nur geringfügige Rücklagen, die bei weitem nicht ausreichen. Mit den bis dahin geschaffenen Rücklagen aus der aktuellen Saison wurden vorrangig Altschulden abgebaut, was für uns zu diesem Zeitpunkt oberste Priorität hatte. Auch wenn die Spiele der Playoffs ursprünglich natürlich kein Teil der Kalkulation waren, fehlen sie uns schmerzlich. Wir sind seit mehreren Wochen für die Playoffs qualifiziert und haben auch seit geraumer Zeit das Heimrecht und damit die Garantie auf ein zweites Heimspiel sicher gehabt. Aus diesem Grund konnten wir erfahrungsgemäß mit rund 80.000€ an Einnahmen rechnen. Dieses Geld war zur Zahlung der Löhne für Februar (fällig am 15.03.) sowie für Rücklagen (März-Löhne), Sozialabgaben, Finanzamt usw. eingeplant. Außerdem konnten wir die Kalkulation so etwas anpassen und uns gezielt nach Nachverpflichtungen für Langzeitverletzte umsehen, ohne die es sportlich nicht funktioniert hätte. Der Betrag der angesprochenen 80.000€ fehlt uns nun natürlich und stellt uns aktuell vor große Herausforderungen.

Was gibt es jetzt für Möglichkeiten das aufzufangen?

Müller: Eigentlich nicht so viele. Die laufenden Verbindlichkeiten müssen bedient werden, Einnahmen sind wie beschrieben nicht mehr zu erwarten, auch Unterstützungsansätze des Staats gibt es bislang kaum. Wir werden versuchen kurzfristig unsere Liquidität wiederherzustellen, dafür arbeiten wir gerade diverse Lösungen aus. Wir Vorstände werden sicher aushelfen. Auch von Seiten der Fans hat uns eine große Zahl an Unterstützungsangeboten erreicht. So freuen wir uns über jede Spende, die uns erreicht, bzw. über jedes Playoff-Ticket, dessen Kaufpreis nicht zurückgefordert wird. Eventuell müssen wir auch Sponsorenzahlungen der neuen Saison vorziehen. Das gilt es aber auf ein Minium zu reduzieren, da uns dieses Geld sonst in der nächsten Spielzeit fehlen würde. Unsere Gläubiger und auch die Mannschaft sind sehr verständnisvoll. Wir werden das schaffen, wenn wir alle zusammenhalten.



Unterstützer-Tickets und Playoff-Rückerstattung

Am Freitagabend von 18-20 Uhr in der Stadiongaststätte „Puck Sportsbar“ wird Memminger Eishockeyfans erstmals eine Rückerstattung von Playoff-Tickets angeboten. Gültig ist dieses Angebot ausschließlich für Käufer, die ihre Karten nicht über das Online-Portal von ticketmaster erworben haben. Eine Rückerstattung von Karten, die im Internet gekauft wurden, erfolgt in den nächsten Tagen automatisch.

Auch Dauerkarten-Inhaber, die ihre Jahreskarte bereits für die entsprechenden Partien verlängert haben, erhalten an mehreren Terminen, unter anderem am Freitag, die Möglichkeit ihr Geld zurückzuerhalten.

Unterstützer-Tickets

Viele Fans haben in den sozialen Medien bereits von einer Rückerstattung des Kartenpreises Abstand genommen. Dafür möchte sich der ECDC Memmingen herzlich bedanken. Als Folge werden die Indians an diesem Termin, neben einer Rückerstattung, gleichzeitig auch Unterstützer-Tickets anbieten. Hierbei handelt es sich um bereits vorbereitete Spieltags-Tickets für die Playoff-Heimspiele der Rot-Weißen. Diese können für einen symbolischen Preis von 10€ erworben werden.


Zusätzliche Spenden können unter folgender Bankverbindung an den ECDC Memmingen e.V. gerichtet werden.

IBAN: DE32 7319 0000 0003 5390 16
Verwendungszweck: ZusaMMenhalten

Paypal: paypal@memmingen-indians.de

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